Welchen Weg geht Ihr?

Jede*r kann Wegbereiter*in für die gemeinwohlorientierte Entwicklung einer Immobilie sein. Sowohl öffentliche/ kommunale Vertreter*innen als auch private Eigentümer*innen von Immobilien können den Stein der gemeinwohlorientierten Bestandsentwicklung ins Rollen bringen. Was es braucht sind Mut und Entscheidungskraft neue Wege zu gehen und gute Allianzen, sprich passende Kooperationspartner für die Projektentwicklung und -umsetzung. Danach gibt es keinen strikten Stufenplan zu befolgen, denn jedes Projekt und dessen Weg sind sehr unterschiedlich und können zum Großteil ganz auf die eigenen Vorstellungen und Kapazitäten angepasst werden. Jede*r Einzelne muss für sich entscheiden, wie viel Einfluss er/sie auf die spätere Nutzung nehmen möchte. Akteur*innen, die beispielsweise selber mit gestalten und/oder langfristige Unterstützung leisten möchten, haben womöglich mehr Schritte zu gehen, als Wegbereiter, die die Umsetzung des Projektes nach der Übergabe vollständig in die Hände der künftigen Entwickler*innen legen. Hierbei gibt es kein richtig oder falsch, beide Entscheidungen bringen Potenziale und Herausforderungen mit sich.

Auf dieser Seite

... erwartet euch ein grober Überblick über den gesamten Prozess der gemeinwohlorientierten Immobilienentwicklung. Anhand von sechs exemplarischen Entwicklungsschritten zeigen wir, warum bestimmte Vorgehensweisen relevant und zielführend sind. Konkrete Lösungen und Hilfestellungen zu den einzelnen Entwicklungsschritten findet Ihr auf den detaillierteren Themenseiten, die auf dieser Seite verlinkt sind.


Kurz gesagt:

  • 1
    • Referenzprojekte recherchieren
    • Inspiration + Austausch
    • eigene Ressourcen abstecken
  • 2
    • Ortsbegehung und Online-Recherche
    • Vision und Ziele formulieren
    • eigene Rolle im Prozess definieren
  • 3
    • Informationsfluss gewährleisten
    • Team aufbauen und Kooperationsparter*innen finden
    • Zielabgleich / Beteiligungsprozess
  • 4
    • Nutzungen definieren
    • über Vergabeformen informieren
    • Vergabekriterien aufstellen
    • Ausschreibung und Auswahlprozess
  • 5
    • Eigentümermodell, Vergabeform, Nutzerrechte klären
    • Testphasen nutzen
    • Transparenz + Kommunikation beibehalten
  • 6
    • Öffentlichkeitsarbeit
    • Moderation beibehalten
    • Wissenstransfer
  • Schritt 1: Die Idee auf den Weg bringen

    Am Beginn dieses spannenden Weges steht zunächst immer die eigene Auseinandersetzung mit den vermeintlichen Gewissheiten und die Offenheit, ganz neue Wege in Betracht zu ziehen. Auf der Suche nach Motivation, lassen sich hier bereits eine ganze Menge inspirierender Beispiele finden: Menschen, die ihre Visionen bereits in die Tat umgesetzt haben und Orte, die den Zusammenhalt und die Lebensqualität in der Region gestärkt haben. 

    Modellprojekt Angermünde

    Im Rahmen des Modellprojektes standen die federführenden Partner*innen von Beginn an fest, da die Stadt Angermünde und das Netzwerk Zukunftsorte den Förderantrag für das Projekt gemeinsam gestellt haben. Die Organisation für die Kick-Off Veranstaltung für alle beteiligten Mitarbeiter*innen des Bauamts Angermünde wurde dann durch die Unterstützung des Netzwerkes organisiert. Es wurde über das Vorhaben informiert, alle auf den gleichen Stand gebracht und Fragen und Vorbehalte abgefragt – ein erster Erwartungsabgleich wurde gemacht.

    Mehr zum Modellprojekt 


    Der Gemeinwohl-Begriff ist als solcher nicht definiert und damit nicht allgemeingültig. Doch eines steht fest: Gemeinwohl ist das Gegenteil von Eigennutz, der Mehrwert für Viele steht im Fokus, nicht die Renditeerwartung Einzelner.

    Zivilgesellschaft, Kommune und private Immobilienbesitzer*innen können sich für das Gemeinwohl vor Ort einsetzen - genau genommen sind Kommunen dazu verpflichtet - indem sie das, woran es fehlt, im Rahmen von gemeinschaftlichen Wohn-, Arbeits-, Kultur- und Bildungsprojekten zur Verfügung stellen und fördern. Die Stärke von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen ist, dass sie genau wissen, was ihnen vor Ort fehlt. Mit Unterstützung der Kommune und privaten Eigentümer*innen werden die Akteur*innen zu Innovator*innen, die ihr Engagement und ihr Wissen dafür einsetzen, Angebote zu schaffen, die ihnen selbst und ihr Umfeld stärken. Solche Initiativprojekte sind besonders nachhaltig, da dasgebündelte Wissen und die entstehende soziale und ökonomische Rendite vor Ort bleiben – bei den Bewohner*innen, der Nachbarschaft, der Gemeinde oder Stadt und natürlich bei allen Partner- und Unterstützer*innen selbst.

    Wir sollten nicht nur in finanzieller, sondern auch in sozialer Rendite denken. Mit den richtigen Leuten kann das funktionieren – so einfach und so kompliziert ist das.

    Hans van Leeuwen / Eigentümer

    Kühlhaus Görlitz


    Um den Prozess der Immobilienentwicklung ins Laufen zu bringen, braucht es zunächst einen groben Rahmen und Zielsetzungen. So lassen sich die nächsten Schritte besser planen und auf das gewünschte Ziel hin anpassen. Wenn bereits das Interesse besteht, Leerstand in Potentialräume zu verwandeln, gilt es die ersten Beweggründe und Zielvorstellungen für sich und die Projektpartner*innen klar zu formulieren. Auf dieser Basis können Akteur*innen bereits im frühen Stadium auf einem gemeinsamen Nenner kooperieren. Um sich über die eigenen Ziele klar zu werden, hilft es, sich von existierenden Projekten inspirieren zu lassen, denn Best-Practice-Beispiele und Referenzprojekte geben Denkanstöße.

    Darüber hinaus kann es den Weg erleichtern, frühzeitig im Blick zu haben, welche finanziellen und personellen Ressourcen für den Prozess zur Verfügung stehen und welche zusätzlichen Mittel es womöglich (später) noch braucht.

    Der Kontakt zur Gruppe ist mehr durch Zufall entstanden. Und dann haben wir uns eben zusammengesetzt und geschaut, was wir daraus machen können.

    Erbengemeinschaft /

    Gut Ziegenberg

    Schritt 2: Ins Handeln kommen

    Potenzialräume erkennen und Ziele definieren


    Aller Anfang scheint schwer, daher lautet das Motto für das Leerstandsmatching: einfach Schritt für Schritt vorgehen. Ihr müsst kein*e Experte*in sein, um loslegen zu können. Am Ende zählt nur, den Faden irgendwo aufzunehmen und gute Partner*innen zu finden. Je nach Ausgangslage kann dann der Startpunkt natürlich auch ganz unterschiedlich aussehen. Wir geben einen Überblick, mit welchen Schritten Ihr ins Handeln kommen können.

     -
    Was unterscheidet den Prozess von einem klassischen Verkauf?

    Manchmal ist die Ausgangslage aber  komplex, beispielsweise, wenn nicht klar ist, welche Gebäude überhaupt zur Verfügung stehen oder Ihnen eine Vorstellung darüber fehlt, wie sich Ihre Immobilie für eine Entwicklung eignen könnte. Hier hilft eine Potenzialraumanalyse. Dabei werden potenzielle Immobilien in Ihrer Kommune oder Ihrem Besitz erfasst und kategorisiert - und alle notwendigen Informationen in Immobiliensteckbriefen zusammengetragen. Oftmals hilft dabei der Blick von außen, um Ideen für vermeintliche Problemimmobilien zu entwickeln. Nicht selten schlummern hier ungeahnte Potenziale.

     - Photo: Lena Heiss

    Kita? Coworking Space? Atelier? Was könnte aus diesen Räumen werden?

     | Photo: Lena Heiss


    Ihr habt die Grundlagen für den Entwicklungsprozess einer konkreten Immobilie geschaffen und die Rahmenbedingungen grob abgesteckt. Nun gilt es herauszuarbeiten, welche Rolle das Projekt oder die Immobilie in einem übergeordneten Kontext spielen soll. Jetzt solltet Ihr die konkreten Anforderungen an das Projekt herausarbeiten und an individuelle Gegebenheiten vor Ort anpassen. Zu diesem Zeitpunkt ist es ratsam, die Bürger*innen einzubeziehen und deren Ideen und Bedarfe abzufragen. Verschiedene Netzwerke bieten hierzu Workshops an. Das Resultat ist ein gemeinsames Verständnis, rote Linien sind gezogen und Leitplanken festgelegt. Zudem könnt Ihr euch über verschiedene Eigentümer*innenmodelle informieren. Auch werden mögliche Rollen diskutiert, die Ihr als Gemeinde oder Eigentümer*in in der Entwicklung und im langfristigen Betrieb einnehmen können. Am Ende des Prozesses steht eine Vision, für die sich alle Beteiligten begeistern können.

    Wir haben mündlich vereinbart, uns einmal im Quartal zu gemeinsamem Essen und Trinken zu treffen, um die neuesten und tollsten Ideen zu besprechen, damit es auch weitergeht. Das war meine Bedingung.

    Hans van Leeuwen / Eigentümer

    Kühlhaus Görlitz

    Schritt 3: Akteure zusammenbringen

    Ein Team aufbauen und Beteiligung ermöglichen


    Die vorherigen Phasen unterscheiden sich teilweise kaum von einer Immobilienentwicklung im „klassischen“ Sinne. Ab jetzt gilt es, das Feld der Gemeinwohlorientierung zu betreten, neue Werkzeuge und Prozesse kennenzulernen und sich mit möglichen Partner*innen und Expert*innen zu vernetzen. Das Grundverständnis ist, Leerstände und Bestand als wertvolle Ressource zu betrachten und die Wirkung von Projekten vor die Rendite zu stellen. Damit entsteht ein neues Verständnis von Immobilienwert und Bodenpolitik.

    Modellprojekt Angermünde

    Auf der Informations- und Vernetzungsveranstaltung wurden die Ortsvorsteher*innen und Eigentümer*innen der Immobilien zu einem gemeinsamen Treffen eingeladen, bei dem Idee und Vorhaben seitens der Stadt und Expertise des Netzwerkes vorgestellt und Chancen wie Bedenken gemeinsam diskutiert wurden.

    Mehr zum Modellprojekt 

    Bevor Ihr euch an die Konzeption einer oder mehrerer bestimmter Immobilien machen, sollten die Ansprechpartner*innen an den verschiedenen Stellen bereits identifiziert sein. Als Kommune solltet Ihr die Besitzer*innen identifiziert und kontaktiert haben. Als Eigentümer*in einer Immobilie lohnt sich der direkte Kontakt zu Netzwerken wie dem Netzwerk Immovielien oder dem Netzwerk Zukunftsorte, aber auch zu Vertreter*innen Ihrer zuständigen Gemeinde.

    Der erste Schritt ist, dass die Gemeinde sagt, wir unterstützen dieses Vorhaben.

     -
    Marco Beckendorf / Bürgermeister

    Wiesenburg (Mark)

    Eine moderierte Informations- und Vernetzungsveranstaltung und/ oder gemeinsame Ortsbegehung mit allen relevanten Akteur*innen wie Eigentümer*innen, Gemeindevertreter*innen oder auch Architekt*innen und Planer*innen sorgt für ein gemeinsames Verständnis von Motivation und Zielen. Dabei werden Potenziale herausgearbeitet und konkrete Entwicklungsmöglichkeiten anhand Ihrer Bedürfnisse besprochen. In diesem Schritt können Sie die Beteiligten ermutigen, das Projekt mit Ihnen in Angriff zu nehmen. Es ist hilfreich, auch Akteur*innen vergleichbarer Projekte aus anderen Regionen einzuladen und somit die Potenziale anhand realer Praxis-Beispiele zu illustrieren.

    Immobilien, die von vielen getragen werden, sind nachhaltiger und resilienter, aber auch von höherer Komplexität geprägt. Um bestehende Risiken zu identifizieren und anhand von Best-Practice-Beispielen Inspiration und Lösungsstrategien zu entwickeln, braucht Ihr erfahrene Partner*innen, starke Allianzen und eine breite Zustimmung der Bürger*innen. In den Immobiliensteckbriefen und während der Info- und Vernetzungsveranstaltung habt Ihr bereits die wichtigsten Partner*innen vor Ort und deren persönliche Interessen gebündelt (und somit eine erste Stakeholder-Map erstellt). Nun gilt es diese Akteur*innen aktiv in den Prozess mit einzubinden und gemeinsam nächste Schritte zu gehen. Besonders wenn der Impuls für das Projekt von einer Einzelperson ausgeht, braucht es innerhalb des eigenen Teams frühzeitig einen klaren Wissens- und Informationsaustausch. Gerade am Anfang des Prozesses kann noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit notwendig sein, damit später alle an einem Strang ziehen. 

    Wir haben immer den Anspruch, gemeinsam mit dem Kernteam auf den Prozess zu gucken. Dazu gehören auch Architekten, Stadt- und Raumplaner und auch Kulturleute wie mich – insofern also eine große Bandbreite.

     -
    Tobias Bäcker / Gründer

    startklar a+b GmbH

    Transparenz sowie ein von Anfang an nachvollziehbarer Planungsprozess sind für die Öffentlichkeit wichtig. Sobald der grobe Rahmen abgesteckt, das Kernteam bestimmt und sowohl Eigentümer*innen als auch Kommunalvertreter*innen an Bord sind und einen groben Konsens über ihre Zielvorstellungen bestimmt haben - kurz, sobald die Chance auf ein Gelingen des Projektes besteht - sollte die Öffentlichkeit mit einbezogen und regelmäßig über die Entwicklungen des Projektes informiert werden.

    Darüber hinaus ist aktive Bürger*innenbeteiligung natürlich immer wünschenswert – und kann je nach Projektziel zudem sehr hilfreich sein. Im Prozess der gemeinwohlorientierten Immobilienentwicklung sollten Beteiligungsprozesse zeitlich gut platziert und zielgerichtet eingesetzt werden. Dabei sollte der ehrliche Wille vorhanden sein, auf die verschiedenen Meinungen und Bedürfnisse auch einzugehen.

    Das klappt nur, wenn die Leute mitmachen und das erreichen wir eher, wenn wir sie direkt ansprechen. Das ist jetzt unsere Aufgabe als Verwaltung.

     -
    Marco Beckendorf / Bürgermeister

    Wiesenburg (Mark)

     - Foto: Anke Schüttler

    Welches Konzept und welche Gruppe passt zum Ort?

     | Foto: Anke Schüttler

    Schritt 4: Konzept und Gruppe auswählen

    Vergabeprozess durchlaufen

    Auf jede getroffene Entscheidung folgt bald die nächste. Jetzt gilt es zu entscheiden, auf welchem Weg Ihr als Wegbereiter*in, das Gebäude und die Gruppe zueinander finden. Dabei können verschiedene Methoden und Werkzeuge relevant sein. Einen Überblick über mögliche Entwicklungsperspektiven zu bekommen, kann daher nicht schaden. Von gemeinschaftlichen Organisationsformen und komplexen Kommunikationsstrukturen, über Arbeitsmethoden bis hin zu rechtlichen Instrumenten wie Konzeptvergabe, Anhandgabe und Erbbaurecht werden diverse Werkzeuge eine Rolle in der anstehenden Entwicklungsphase spielen.

    Sobald die Vision bzw. die Zielsetzung steht und ein einzelnes Gebäude ausgewählt ist, kann die langfristige Planung für Ihr Gebäude starten. Durch eine fundierte Bestandserhebung mit ausgewählten Fachplaner*innen entsteht ein genaues Bild vom Zustand der Immobilie, was besonders für die interessierten Gruppen von Bedeutung ist, um ein detailliertes Konzept mit Finanzierungsplan aufstellen zu können. Aber auch von Ihrer Seite sollten die Nutzungsanforderungen mit den Bedingungen des Gebäudes abgeglichen werden.

    Ein erstes Nutzungskonzept oder einzelne Kriterien für die Vergabe können jetzt auch gegebenenfalls in Kombination mit einem partizipativen Prozess entwickelt werden. Ihr Konzept kann zunächst die Grundlage für die Ausschreibung eines Konzeptverfahrens bilden, später aber auch den Architekturentwurf und die Fördermittelakquise beeinflussen.

    Es ist ratsam, erfahrene Expert*innen ins Boot zu holen, um die erfolgreiche Immobilienentwicklung an entscheidenden Stellen zu unterstützen. Die Architektur-Leistungsphasen 1 bis 9 bilden den Rahmen – der Prozess zum Ziel verläuft je nach Gebäude individuell. Moderne Architekturbüros erweitern ihr Leistungsangebot und haben Erfahrungen im Umbau von Bestandsimmobilien, z. T. auch in Partizipationsprozessen sowie im Einsatz nachhaltiger Baustoffe. Achtet  bei der Auswahl Eurer Partner*innen auf entsprechende Kompetenzen. 

    Die Konzeptvergabe koppelt die Übergabe einer Immobilie in neue Hände an bestimmte Forderungen oder Bedingungen. Besonders, was die Nutzung und Umgestaltung des Gebäudes betrifft, können Kommune oder Eigentümer*in auf diese Weise erheblichen Einfluss nehmen . Die Grundlagen und einen ersten Überblick über die Chancen eines Konzeptvergabe-Prozesses finden sich auf dieser Seite. Zusätzliche Unterstützung wie Workshops und Seminare können helfen, die ersten Schritte zu gehen.

    Besonders, wenn das Kernteam aus mehreren Beteiligten besteht, sollten zunächst alle auf den gleichen Kenntnisstand gebracht werden.

    Mit einer gut moderierten Kommunikation kann eine Konzeptvergabe für alle Beteiligten wahre Wunder wirken.



    Grundlegendes Ziel der Konzeptvergabe ist es, das leerstehende Objekt potenziell vielen Interessent*innen zur Verfügung zu stellen und die neuen Eigentümer- oder Nutzer*innen dabei nicht nach der stärksten Finanzkraft, sondern nach dem für den Ort und die Gemeinde/Stadt jeweils besten Konzept zu bestimmen. Je nach Größe des Projektes und Anzahl der Bewerber*innen, kann auf die öffentliche Ausschreibung dann zunächst ein längerer Aushandlungsprozess zwischen den Interessent*innen und der Gemeinde und/oder den Eigentümer*innen folgen. Transparenz und Offenheit sind hierbei das A und O. Wenn es um ein größeres Projekt bzw. eine breitere Ausschreibung geht, sollten bereits vorab Überlegungen über Art und Weise der Entscheidungsfindung getroffen werden. Wenn unter den Bewerbenden bereits eine engere Auswahl getroffen wurde, hilft es, sich persönlich zusammenzusetzen und kennenzulernen. Denn neben Konzept und Zahlen sind vor allem die menschlichen und kommunikativen Fähigkeiten des Kernteams für den Erfolg eines so umfassenden Projekts ausschlaggebend. Wenn die Chemie stimmt, stehen auch die Chancen für eine künftige vertrauensvolle Zusammenarbeit gut.

    Verkaufen? Kooperieren ist sinnvoller.

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    Hans van Leeuwen / Eigentümer

    Kühlhaus Görlitz

    Je nach Größe des Projektes und/oder Anzahl der Bewerber*innen kann das Auswahlverfahren auch mehr oder weniger formalisiert verlaufen. Ein*e private*r Eigentümer*in bspw. kann nach freiem Ermessen entscheiden, welcher Gruppe er/sie das Gebäude übergeben möchte, während eine Kommune bestimmte Kriterien setzen und die Entscheidung im Nachgang auch öffentlich begründen können muss. Wichtig für die verschiedenen Interessent*innen ist dabei die Transparenz über einen ungefähren Zeithorizont. Gleich zur Ausschreibung oder nach Einreichung der ersten Konzepte sollten daher über die nächsten Schritte und den groben Zeitplan informiert werden.

    Wir hatten den Vorteil, dass wir sowohl bei der Stadtverwaltung, als auch bei den Sanierungsträgern der Immobilie Ansprechpartner*innen hatten. So mussten wir nicht immer dieselben Personen mit unseren vielen Fragen löchern.

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    Louise Gassenmeyer / Gruppenprozesse & Mediation

    Projektinitiative Großraumbüro

    Zukunft statt Leerstand

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    Gebäude nach Konzept veräußern - Ein Leitfaden für kleinere Kommunen

    Dieser Leitfaden gibt einen praxisnahen Einblick in die Möglichkeiten, ungenutzte Bestandsgebäude in suburbanen und ländlichen Räumen nicht nach Höchstpreis zu veräußern, sondern mit Fokus auf das beste gemeinwohlorientierte Konzept für den Ort. Dieses handliche Heft richtet sich vor allem an Kommunalvertreter*innen kleiner Gemeinden, die gewillt sind, mit frischen Ideen eine gemeinwohlorientierte Stadt- und Regionalentwicklung als neuen Standard in ihren Kommunen auf den Weg zu bringen.

    Entstanden ist der Leitfaden in Zusammenarbeit mit kompetenten Kooperationspartner*innen: die Dezentrale Sachsen, die Montag Stiftung Urbane Räume, das Forum Gemeinschaftliches Wohnen und die Landesberatungsstelle in Hessen.

    Für Porto, Verpackung und Versand erheben wir eine kleine Aufwandspauschale. Ihr wollt mehr als 10 Publikationen? Dann nehmt bitte Kontakt mit uns auf.

    Schritt 5: Kooperation gestalten

    Zusammenarbeit mit Gruppen


    Nach der Ausschreibung des Projektvorhabens und der Auswahl einer Gruppe steht die schrittweise Formalisierung des Trägermodells an. Bleibt der/die bisherige*r Besitzer*in bestehen oder soll die Immobilie in den Besitz der Kommune, einer Stiftung oder der Projektgruppe übergehen? Welche Rechtsform entspricht diesem Konstrukt? Wer darf welche Entscheidungen über Nutzung, Umbau und Finanzierung fällen und wie wird diese Entscheidungsfindung organisiert? Um diese Fragen zu klären, muss jede*r für sich abwägen, wie viel Vertrauensbasis und wie viel rechtliche Absicherung er/sie braucht, um sich mit dem Start des Projektes wohl zu fühlen. 

    Die wertvolle Zeit bis zur endgültigen Übergabe und vollständigen Sanierung muss nicht ungenutzt bleiben, denn Projektideen und Hypothesen müssen sich in der Praxis bewähren. Kultur, Coworking, Kunst, temporäre Produktion und Ausstellung – auch unsanierte Gebäude bieten ein enormes Potenzial, um Angebote vorab zu testen, Einnahmen für Eigenmittel zu generieren und zukünftige Akteur*innengruppen in der Zwischennutzung zu aktivieren. Aus den Erfahrungen können Sie, bzw. die künftigen Betreiber*innen, wichtige Erkenntnisse für die spätere Ausgestaltung des Gebäudes ziehen und frühzeitige Bürger*innenbeteiligung und Projekttransparenz in Form von temporären Nutzungen ermöglichen.

    Über das Betreiberkonstrukt werden die Rechte des/der Eigentümer*in und (Mit-) Nutzer*innen geregelt. Über die Art und Weise der Ver- und Übergabe könnt Ihr bestimmen, wie viel Einfluss Ihr auf die Gestaltung des Projektes nehmen und daher auch, wie intensiv Ihr euch mit der Gruppe auseinandersetzen möchten.

    Nichts geht ohne Vertrauen.

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    Danilo Kuscher / Gründer und Initiator

    Kühlhaus Görlitz

     - Foto: Anke Schüttler

    Partner*innen und Betreiber*innen an einem Tisch – so kommen kooperative Modelle zustande.

     | Foto: Anke Schüttler

    Schritt 6: Langfristig Netzwerken

    Kooperativ Betreiben


    Nach erfolgreicher Übergabe liegt ein Großteil der Umsetzung nun in den Händen der Projektgruppe. Aber auch während des Betriebs könnt Ihr als Kommune oder Eigentümer*in eure Chance der Mitgestaltung nutzen. Bleibt im Austausch mit den Betreiber*innen und begleitet die weitere Entwicklung des Projektes. Gleichzeitig seid Ihr jetzt im Besitz wertvoller Erfahrungswerte, was diesen noch so neuen Prozess anbelangt. Teilt euer Wissen in verschiedenen Netzwerken und/oder direkt mit anderen Kommunen und Eigentümer*innen.

    Wir stellen die Gebäude zur Verfügung und die Gruppe bespielt dafür die Räume .

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     - Photo: © Stadt Luckenwalde
    Elisabeth Herzog von der Heide / Bürgermeisterin von Luckenwalde

    Bau- und Planungsprozesse ziehen sich oft über mehrere Jahre hin. Es ist daher von Vorteil, frühzeitig verlässliche Ankermieter*innen aus Wirtschaft, Kultur- und Wissenschaft zu begeistern und Ihr Projekt bei den gewünschten Zielgruppen bekannt zu machen. Eine flexible Herangehensweise, die es zulässt, verschiedene Anforderungen beispielsweise an Coworking-Spaces, Gastronomie oder Wohnprojekte auszuprobieren, hilft Ihnen – bzw. den Betreiber*innen – dabei, spätere Nutzer*innen zum passenden Zeitpunkt zu gewinnen. Auch die Kommune selbst kann zur Nutzerin werden und damit das Projekt unterstützen und Synergie-Effekte ermöglichen. Externe Expert*innen begleiten beim geeigneten Timing und dabei, Ansprache und mögliche Angebote zu erarbeiten.

    Anfangs hat der Eigentümer Stellen innerhalb der Projektgruppe finanziert, um die Entwicklung des Projektes voranzutreiben. Über den Tourismus und den Betrieb vor Ort können sich einzelne Stellen heute selber tragen.

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    Danilo Kuscher / Gründer und Initiator

    Kühlhaus Görlitz

    Auch nach abgeschlossener Übergabe wird es noch viele Entscheidungen zu treffen und Aushandlungen zu führen geben. Obwohl ab jetzt ein großer Teil der Verantwortung bei der Betreibergruppe liegt, könnt und solltet ihr als Eigentümer*in und/oder kommunaler Vertreter*in am Ball bleiben. Besonders für die Eigentümer*innen, sei es die Kommune oder eine Privatperson, bleibt die Aushandlung mit der Gruppe relevant, da das zuvor vereinbarte Nutzungskonzept selten 1 zu 1 umsetzbar ist und es mit der Zeit immer mal wieder gemäß der Realitäten angepasst werden muss. Hier könnt ihr auch weiterhin eure Chance nutzen, den Ort und eure Region mitzugestalten.

    Akteure wollen und brauchen die Mitsprache der Gemeinde.

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    Louise Gassenmeyer / Gruppenprozesse & Mediation

    Projektinitiative Großraumbüro