Potenzial im Leerstand finden

Auf der Seite Potenziale habt Ihr gesehen, welche Möglichkeiten und Mehrwerte durch die gemeinwohlorientierte Entwicklung von komplexen Bestandsgebäuden und schwierigem Leerstand entstehen können. Nun widmet Ihr euch diesen Gebäuden ganz konkret: Im Rahmen einer Potenzialraumanalyse identifiziert Ihr alle verfügbaren Immobilien in Eurem Umkreis. Über eine Analyse von Zustand und Hintergrundinformationen der Gebäude stellt sich schrittweise heraus, welche Möglichkeiten zur Transformation diese jeweils bieten. 

Komplexer ist die Ausgangslage, wenn die Gebäude nicht im eigenen (kommualen) Besitz sind. Hier braucht es etwas mehr Zeit und Geschick. Parallel zur Bestandsaufnahme könnt Ihr Eure eigenen Rahmenbedingungen abstecken: Welche Vision habt Ihr für Eure Immobilie oder den Ort? Welche zeitlichen und finanziellen Ressourcen bringt Ihr mit, welche fehlen noch – kurz: Wer kann Euch im Prozess unterstützen und begleiten?

Auf dieser Seite...

...erfahrt Ihr, welche Gebäude sich warum besonders zur gemeinwohlorientierten Bestandsentwicklung eignen wie Ihr solche Immobilien ausfindig machen können und welche Basis-Informationen dazu relevant sind. Zudem findet Ihr hier inspirierende Beispielprojekte und hilfreiche Materialien zur detaillierten Erfassung Eurer Immobilien.

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Privates Eigentum in der Kommune

Durch den Input des Netzwerk Zukunftsorte bin ich überhaupt erst auf den Gedanken gekommen, Immobilien auf diese Weise zu entwickeln. Ich habe das ja nie in der Schule gelernt, sondern erst durch den Austausch und Inspiration in meinen Kopf bekommen.

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Frederik Bewer / ehemaliger Bürgermeister Stadt Angermünde

“Wir wollten nicht, dass irgendein Investor alles zusammen schiebt und dann einen Würfel auf unser Grundstück stellt.”

Erbengemeinschaft /

Gut Ziegenberg

Kurz gesagt

  • 1

    Offenheit bei der Gebäudeauswahl.

  • 2

    Austausch und Vernetzung mit Macher- und Unterstützer*innen.

  • 3

    Inspiration durch Austausch mit Macher*innen und möglichen Partner*innen.

  • 5 gute Beispiele für komplexe Gebäude mit Potenzial:

    Neue Nutzungskonzepte ermöglichen gemeinwohlorientierte Projekte auch in komplexen Gebäuden. Gerade für ein größeres Wohnprojekt und die Kombination von privaten und öffentlichen Nutzungen eignen sich große und komplexe Anlagen besonders gut. Vom alten Gutshof über ein ausgedientes Schaltgerätewerk hin zum verlassenen Bahnhof oder einem Plattenbau – jeder Gebäudetyp bietet eigene Vorzüge und Möglichkeiten. Nutzungen erschließen kann man auch sukzessive. Es gibt verschiedene Methoden wie Pop-Ups und Zwischennutzung, um niedrigschwellig anzufangen und das Areal Stück für Stück wieder in eine Nutzung zu überführen.

    "Bahnhöfe, die aufgegeben wurden, haben ja in der Regel eine ganz gute Lage. Da liegt großes Potenzial."

     - Photo: © Stadt Luckenwalde
    Elisabeth Herzog von der Heide / Bürgermeisterin von Luckenwalde

    Entdecken Sie noch mehr Projekte auf unserer Orte-Seite

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    Schritt 1: Potenzialräume identifizieren

    Wie finden sich geeignete Bestandsgebäude?

    Es ist wichtig sich klar zu werden, dass man als Kommune mitentscheiden kann.

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    Chris Szallies / Stadtplaner im Bauamt Stadt Angermünde

    Modellprojekt in Angermünde

    Für das Modellprojekt gab es das klare Ziel, ein bis zwei geeignete Immobilien zu bestimmen, denn der gesamte Prozess sollte anhand weniger Beispiele exemplarisch erprobt werden. Im Rahmen einer regionalen Entwicklungsstrategie lohnt es sich, eine breitere Auswahl an Potenzialräumen aufzunehmen.

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     - Photo: © Peter Ulrich
    Ist das Dach dicht? Und wieviel Raum bietet der Speicher?


     | Photo: © Peter Ulrich

    Schritt 2: Informationen sammeln

    Ist ein Leerstand identifiziert, gilt es alle relevanten Fakten in einem Steckbrief zusammenzustellen. Hierzu zählen unter anderem die Lage, Größe und der grobe Zustand des Gebäudes. Auch Informationen zu Besitzverhältnissen, Interessenlagen, Motivation sowie den beteiligten Akteur*innen sind hilfreich. Diese Phase ist zwar recht zeitintensiv, kann aber eine Menge neues Wissen über den Ort zum Vorschein bringen und für den weiteren Weg motivieren. Fahrt zu den Objekten und dokumentiert sie mit Fotos vor Ort und sprecht mit den Nachbar*innen. Die Informationen sind später nützlich als Basis für die Akquise von Nutzer*innen, bzw. Käufer*innen.


    Mit klaren Zielen vor Augen und gelungenen Praxisbeispielen im Kopf lässt sich auf der geschaffenen Informationslage dann leichter eine Vorstellung davon entwickeln, welche Nutzungen sich für die Räume eignen. An dieser Stelle hat sich bewährt, externe Expert*innen mit einem frischen und geschulten Blick einzubeziehen, die ganz neue Potenziale in ihren Bauten erkennen. Fragt Projektmacher*innen aus ihrer Region oder wendet Euch an Netzwerke wie die Leergut Agenten, Luxus der Leere oder das Netzwerk Zukunftsorte.

    Tipp

    Für den Umgang mit Problemimmobilien, wo Eigentümer*innen nicht bekannt und/oder die Substanz zusehends verfällt, hat das Bundestinstitut für Bau- Stadt und Raumforschung einen umfassenden Leitfaden herausgegeben.
    Zum Leitfaden

    Diese Daten lohnt es sich zu erfassen:

      Lage/Kontext

      In welchem Ort/ welcher Region liegt das Gebäude? Wie sind die umgebende Bebauung, Landschaft, Anbindung und Versorgung beschaffen?

      Gebäudetyp

      Wie groß ist das Gebäude? Wie viele einzelne Räume weist es auf? Was ist/war die Nutzung des Gebäudes?

      Zustand

      In welchem baulichen Zustand ist das Gebäude? Liegen bereits Gutachten vor oder müssen welche erstellt werden? Steht das Gebäude bzw. Grundstück unter Denkmal- oder Naturschutz?

      Eigentumsverhältnis

      Wem gehört das Gebäude? Sind Kontaktpersonen bekannt? Werden Verkauf, Vermietung oder Verpachtung in Betracht gezogen?

      Rechtliche Situation

      Welche Vorschriften liegen einem Umbau/ einer Umnutzung beispielsweise durch den Bebauungsplan zugrunde?

      Interessenlage

      Welcher regionale Bedarf und konkrete Nutzungsanforderungen werden an die Immobilie gestellt? Gibt es bereits aktive Akteur*innen rund um die Immobilie? Gibt es bereits an einer Umnutzung interessierte Gruppen?

    Mustersteckbrief

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    Schritt 3: Einen groben Rahmen abstecken

    Welche/s Gebäude Ihr für eine Entwicklung in Betracht zieht, hängt jetzt zum einen von Eurer individuellen Ausgangslage, zum anderen von den Möglichkeiten der Gebäude ab. Es gilt abzuwägen, welche Vision Ihr verfolgen und wo Eure Prioritäten liegen. Sollte jetzt noch Unsicherheit darüber herrschen, welches Gebäude für welche Nutzungsarten in Frage kommt, dann wendet Euch spätestens jetzt an Externe.

    Jede Immobilie ist anders und muss individuell gehandhabt werden. Man kann sich nicht auf einen Weg konzentrieren, sondern muss jedes Projekt für sich betrachten und schauen, was der jeweils beste Weg ist.

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    Chris Szallies / Stadtplaner im Bauamt Stadt Angermünde

    Tipp

    Sind Immobilien in Privatbesitz, läuft die Kommunikation anfangs oft über Hausverwaltungen. Versuchen Sie, dennoch frühzeitig den direkten Kontakt zum Eigentümer aufzunehmen, denn besonders zur Frage des Kaufpreises sollte ein frühzeitiger Abgleich stattfinden.

     - Photo: © Diego Castro
    Neue Nutzungen für alte Gebäude: Der Musikbahnhof in Annahütte
     | Photo: © Diego Castro

    Finden Sie erste Antworten auf folgende Fragen:

      Worauf baut Eure Finanzierung?

      Wollt ihr Förderung beantragen, auf private Investitionen, Kredite oder Alternativen wie Fundraising setzen? Möchtet Ihr als Eigentümer*in oder Gemeinde selbst investieren oder trägt die Gruppe die komplette (bauliche) Entwicklung des Ortes?

      Wer sind Ihre wichtigsten Partner?

      Wie viel Verantwortung könnt und wollt Ihr tragen? Braucht Ihr Teilhaber*innen oder möchtet Ihr eng mit dem/der Eigentümer*in, der Gemeinde, fachlichen Expert*innen und Berater*innen oder freiwilligen Helfer*innen zusammenarbeiten?

      Wieviel Zeit kann jede*r investieren?

      Ist Euer Team ehrenamtlich oder unternehmerisch/ Vollzeit involviert? Wer bringt welche Kompetenzen mit und kann so welche Aufgaben übernehmen? Wo braucht ihr externe Unterstützung?

      Was ist das Ziel?

      Möchtet ihr mit Eurem Projekt einen offenen Treffpunkt oder auch einen Wohnort, eine Bildungsstätte oder ein ganzes Entwicklungskonzept umsetzen?

    Interviewte: Christin Neujahr -
    Ziele definieren

    Tipp

    Versucht so gut es geht bereits jetzt einen groben Zeit- und Terminplan festzulegen und pflegt unterwegs Eure To-Do-Listen!

    Relevante Werkzeuge zum Thema “Potenzialräume erkennen”: