Kurz gesagt

  • 1

    Soziale statt finanzieller Rendite sehen

  • 2

    Eigene Rolle finden und Einfluss gestalten

  • 3

    Zeit nehmen zum Kennenlernen und Vertrauen aufbauen

  • Für Immobilienbesitzer*innen ist es vielleicht die größte Herausforderung, Alternativen zum Verkauf der Immobilie mit schnellem, möglichst großem Gewinn in Betracht zu ziehen – denn das Vorgehen nach der Gewinn-Logik ist gesellschaftlich anerkannt und wirft erstmal keine Fragen auf. Wie groß der gesellschaftliche Gewinn einer gemeinwohlorientierten Vorgehensweise hingegen sein kann, können Sie hier entdecken.

    Wenn der Entschluss zur gemeinwohlorientierten Entwicklung erstmal gefallen ist, gibt es zwar einige Hürden, jedoch sind diese für Privateigentümer*innen oft leichter zu nehmen, als für Kommunen. Dafür ist der Schritt des Loslassens der Immobilie eine Hürde, die besonders Eigentümer*innen mit emotionaler Bindung zum Gebäude schwer fallen kann.

    Loslassen können ist ein Muss

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    Erbengemeinschaft /

    Gut Ziegenberg

    Wenn die berühmt-berüchtigten ‚paar Spinner‘ um die Ecke kommen, kann ich mir schon vorstellen, dass jemand, der noch keinen Kontakt mit gemeinwohlorientierten Themen hatte, die Immobilie lieber an einen ‚seriösen‘ und finanziell starken Investor verkauft. Es ist ein großes Hindernis, dass dieses Denken in den Köpfen der verkaufenden Menschen präsent ist.

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    Jörn Luft / Geschäftsstelle

    Stiftung trias

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    Im Kontakt mit Projekt-Macher*innen reift das Verständnis dafür, wie es mit der eigenen Immobilie klappen könnte. | Foto: Lena Heiß

    “Davon versteh ich nichts.”

    Für wen die Prozesse und Hintergründe einer gemeinwohlorientierten Entwicklung noch neu sind, der/die kann schnell das Gefühl bekommen, dem allein und hilflos gegenüber zu stehen. Da helfen gute Beispiele und die Erfahrung anderer.

    Ein erster Schritt kann demnach sein, sich Inspiration zu suchen und eine Idee dafür zu bekommen, was alles möglich ist. Suchen Sie Kontakt zu Macher*innen oder schauen sich verschiedene Projekte im Internet oder gleich vor Ort an. Im nächsten Schritt können Sie dann Ihre eigenen Ressourcen in den Blick nehmen. Zu jedem Schritt gibt es Informationen, Material und Unterstützer- und Partner*innen, die Sie gerne dabei unterstützen und beraten.

    Ich habe versucht, die Treuhand davon zu überzeugen, das Kühlhaus nicht übernehmen zu müssen, aber da ließ sich nichts machen. Da habe ich meine eigene Idee formuliert und war seither auf der Suche nach unüblichen Kombinationen von Wohnen und Arbeiten.

    Hans van Leeuwen / Eigentümer

    Kühlhaus Görlitz

    Hier finden Sie Inspiration und Unterstützung:

    Seit vielen Jahren entstehen überall die verschiedensten Kreativ- und Projektorte und dahinter stehen zielstrebige und erfahrungsgesättigte Köpfe. Anhand dieser Projekte lassen sich sowohl Ideen zu Nutzungen, als auch Wissen über die Umsetzung finden. Vorträge, Meet-Up’s oder Netzwerktreffen bieten den Rahmen, um neues zu entdecken und in Austausch zu kommen. Im Gespräch mit anderen Eigentümer*innen, aber auch zu den Projektgruppen lassen sich Tipps und Tricks abholen, wie Sie als Eigentümer*in unterstützen können

    Das Mietshäuser Syndikat versteht sich als Schnittstelle zwischen Immobilien suchenden Gruppen und besitzenden Eigentümer*innen. “Seit gut 30 Jahren sind im Mietshäuser Syndikat Hausprojekte miteinander verbunden, die sich gemeinsam der Verwertungslogik des Immobilienmarktes entgegenstellen, indem sie solidarische und gemeinwohlorientierte Perspektiven schaffen: Häuser werden entprivatisiert, in Gemeineigentum umgewandelt und in Selbstorganisation wird Platz für bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum geschaffen.” (Quelle: Miethäuser Syndikat, Broschüre Nr. 8, 2021)

    Das Beratungsangebot des Mietshäuser Syndikats richtet sich (derzeit) vorrangig an Projektgruppen und kann für Sie somit ein geeigneter Partner in der Aushandlung mit “Ihrer” Gruppe sein.

    Ein Instrument für gemeinwohlorientierten Stadt- und Liegenschaftspoltik ist das Konzeptverfahren, also die Veräußerung von Grundstücken nicht über den höchsten Preis, sondern entsprechend der Qualität der Idee für die Bebauung und Nutzung. Über das umfassende Informations- und Beratungsangebot des Netztwerkes können Eigentümer*innen anhand konkreter Projekte die rechtlichen Fallstricke und Vergabekriterien kennenlernen und berücksichtigen.

    Die Stadt Angermünde möchte leerstehende Immobilien mit zukunftsfähigen Konzepten entwickeln. Dabei geht es um Immobilien, die über die Komplexität eines Einfamilienhauses hinausgehen und sich für eine projektbezogene Entwicklung eignen. Beispielsweise alte Stallanlagen, ehemals industriell genutzte Immobilien oder denkmalgeschützte Ensembles mit höherem Sanierungsbedarf. Gerade im Rahmen einer regionalen Entwicklungsstrategie kann Ihre Kommune unterstützender Partner für Sie als Eigentümer*in sein.

    Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat unter dem Motto “Aus der Praxis für die Praxis” einen Leitfaden zur Konzeptionierung und Finanzierung von Mehrfunktionshäusern herausgegeben. Neben 13 Modellprojekten aus dem Bundesprogramm für Ländliche Entwicklung (BULE) werden Empfehlungen zur Umsetzung und Fördermöglichkeiten über das Ministerium aufgelistet.

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    Spielend lernen im Kinder-Sommercamp? Ohne die Unterstützung der Eigentümergemeinschaft wäre das auf Gut Ziegenberg nicht möglich. | Foto: Jana Dünnhaupt

    “Ich hab ja nichts davon.”

    Ein grundlegendes Anliegen der gemeinwohlorientierten Immobilienentwicklung ist es, langfristigen statt kurzfristigen und sozialen statt finanziellen Mehrwert zu erzielen. Diese Sichtweise ist im Rahmen der Immobilienwirtschaft noch nicht allzu weit verbreitet, weshalb es an vielen Stellen noch an Wissen, Know How und Inspiration über die eigenen Möglichkeiten mangelt.

    Interviews mit aktiven Eigentümer*innen haben gezeigt: sie selbst ziehen viel aus ihrem Engagement: es geht ein großes Gefühl der (Selbst-) Wirksamkeit mit der gemeinwohlorientierten Entwicklung der eigenen Immobilie einher. Der Kontakt und Austausch im Ort und mit den kreativen Menschen des Projekts wird als ebenso wertvoll empfunden wie die Möglichkeit, durch die Entwicklung der eigenen Immobilie Einfluss auf die Gestaltung und Entwicklung der gesamten Region zu nehmen. In der kreativen Zusammenarbeit mit der Gruppe eröffnet sich auch für Sie der Gestaltungsspielraum, die Flächen (selber) nutzen und gestalten zu können, selbst wenn die eigenen Kompetenzen und Kapazitäten nicht ausreichen, um selbst, bzw. alleine, ein Projekt zu starten. Ihre Rolle innerhalb des Prozesses kann zudem auch die eines Mentors und Multiplikators sein – für viele deutlich erfüllender als die Rolle eines Immobilienverwalters.

    So können Sie den Prozess gestalten:

    Einfaches Zusammenkommen kann so wertvoll sein

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    Hans van Leeuwen / Eigentümer

    Kühlhaus Görlitz

    Mitwirken, ohne vor Ort sein zu müssen

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    Erbengemeinschaft /

    Gut Ziegenberg

    Schritt für Schritt 

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    Erbengemeinschaft /

    Gut Ziegenberg

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    Das Gebäude behalten, während die Gruppe die Sanierung übernimmt? So kann es gehen. | Foto: Haus des Wandels

    “Da kann ich doch mehr Geld verdienen.”

    Unbekannte Prozesse, Zeitspannen und Risiken lassen Sie vielleicht davor zurückschrecken, neue Wege zu gehen. Denn eines ist klar: Die Abgabe von Nutzungsrechten an Gruppen oder Initiativen dauert oftmals länger, als an Privatpersonen oder Investor*innen zu verkaufen. Und vielleicht sind Sie auch auf Einnahmen durch Verkauf oder Vermietung angewiesen. Durch eine gemeinwohlorientierte Entwicklung können Sie ortsbildprägende Gebäude für die Nachbarschaft zugänglich machen und mit neuen Angeboten in Kunst und Kultur die Lebensqualität in der Gemeinde steigern. Über Wege der Kofinanzierung ist es bspw. möglich, die Instandhaltung der Gebäude an die Gruppe zu übergeben oder gestaltend mitwirken zu können, ohne vor Ort sein zu müssen.

    Ob Kommune im Vorkaufsrecht oder Privat-Verkäufer, alle möchten schnell zum Abschluss kommen und das können sich die wenigsten Initiativen leisten. Das heißt, da müssten Zeiträume oder Moratorien verhandelt werden.

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    Jörn Luft / Geschäftsstelle

    Stiftung trias

    Wichtig sind die Menschen, mit denen sie das zusammen umsetzen. Man muss Vertrauen haben zu den Pächtern bzw. den Partnern – da muss die Chemie stimmen, das ist in meinen Augen das A und O. Dann kann ich alles machen.

    Erbengemeinschaft /

    Gut Ziegenberg

    Soziale Rendite als Inspiration:

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    Ein strahlender Ort – auch dank des unterstützenden Besitzers. | Foto: Jörg Gläscher

    Mit der Bitte, das ehemalige Kühlhaus in Görlitz für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen, trat eine Gruppe junger Leute auf den Besitzer zu. Der Eigentümer, der selbst kein konkretes Nutzungsinteresse hatte, räumte der Gruppe einen Testzeitraum ein. Es zeigte sich, dass die dort entwickelten Veranstaltungen und Angebote großen Anklang fanden. So unterstützte der Eigentümer das Projekt zusätzlich, in dem er eine Stelle zur Entwicklung des Projekts sowie Ausgaben zur Instandsetzung bezahlte. Bedingung war, dass sich das Kühlhaus innerhalb von 5 Jahren selbst trägt. Heute freut sich der Eigentümer über den großen Erfolg des Kulturorts und über den grossen Effekt auf die Region.

    Beim Erbbaurecht werden Eigentum und Nutzung eines Grundstücks getrennt: Statt ein Grundstück zu verkaufen, vergibt der Eigentümer oder die Eigentümerin das Nutzungsrecht. Ein Bauherr oder eine Bauherrin zahlt eine regelmäßige Pacht („Erbbauzins“) und darf das Grundstück bebauen und langfristig nutzen. Das Grundstück bleibt jedoch im Eigentum der Kommune, Kirche, einer Stiftung oder auch Privatperson. Der Erbbauzins wird aus der Art der Nutzung und dem Wert des Bodens ermittelt und in einem Erbbaurechtsvertrag festgelegt. Dieser kann darüber hinaus Bedingungen für eine sozialgerechte Nutzung umfassen, die sich auf kommunale Bedarfe wie beispielsweise bezahlbares Wohnen, Kita-Plätze oder Schulsportanlagen beziehen. Durchschnitlich nach 30 Jahren refinanziert sich der Grundstückspreis durch die dauerhaft fließenden Pachteinnahmen. Eine "Win-Win-Situation" für Eigentümer wie Stadtmacher.

    Quelle: Glossar zur gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung

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    Da geht nichts mehr? Die Furnierhalle in Görlitz ist jetzt ein Ort für Jugend und Soziokultur. | Fotos: Sebastian Hettchen

    “Aus den Gebäuden lässt sich nichts mehr machen.”

    Wenn eine Immobilie schon viele Jahre leer steht, die Bausubstanz in schlechtem Zustand ist oder die Räume bspw. auf eine industrielle Nutzung zugeschnitten sind, fällt es oft schwer, sich vorzustellen, das Gebäude wieder nutzbar zu machen. Die ehemalige Geschäftsstelle der lokalen Bank, der aufgegebene Supermarkt oder das verlassene Betonwerk am Ortsrand – für all diese Orte gibt es bereits inspirierende Beispiele der Umnutzung. Viele Projektgruppen suchen heute gerade nach großen Gebäuden und Arealen, wo sich Aspekte des Wohnens, des (gemeinsamen) Arbeitens und Angebote an sozialen Räumen auf einem Gelände kombinieren lassen. Sie bringen Ideen und Tatkraft, oft breite Netzwerke an Unterstützer*innen und vor allem Durchhaltevermögen mit. Viele Sanierungsarbeiten erfolgen hier in Eigenleistung und Nutzungsangebote werden anfangs gerne durch niedrigschwellige Formate getestet. Das langsame und schrittweise Herantasten an eine mögliche Umnutzung verschafft allen Beteiligten ausreichend Zeit, das Gebäude mit all seinen Tücken kennenzulernen und ihr Konzept zu verfeinern und umzusetzen.

    Wenn wir das (historische Gebäude) erwerben könnten, könnten wir ein Stück Geschichte erhalten. Und nicht nur das – wir könnten eine Entwicklung für den Ort möglich machen, an die wir vorher nie gedacht hätten

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    Marco Beckendorf / Bürgermeister

    Wiesenburg (Mark)

    Gute Alternativen und Beispiele

    In der Uckermark haben die Architektin Kiri Westphal und der Zimmermann Mats Ciupka die Initiative „Die Häuserretter“ gegründet. Das Duo will historische Gebäude vor dem Verfall und Abriss bewahren. Sie bieten Besitzer*innen Hilfe bei der Beschaffung von Bauunterlagen, aber auch bei der tatsächlichen Sanierung an.

    Die niedrigschwellige Instandsetzung brachliegender Industrieanlagen werden mit konkreten Handlungsempfehlungen in Form eines umfassenden Bauteilkatalogs bearbeitet. Im Rahmen einer Begleitforschung werden Initiativen und Projekte, die den ländlichen Raum beispielhaft kreativ besiedeln und damit neue Arbeits- und Lebensräume erschließen, begleitet. Ziel ist jeweils ein regionales, belastbares und umsetzungsfähiges Praxiskonzept für die Aktivierung von Wohn- und Arbeitsräumen für Kreativwirtschaft.

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    Niedrigschwellige Instandsetzung brachliegender Industrieareale für die Kreativwirtschaft | Herausgeber: BBSR

    Das große Potential, das in der Sanierung von Gebäuden steckt, wird bislang nicht voll ausgeschöpft. Dabei sind es doch unsere Bestandsgebäude, die Städte und Dörfer prägen. Das Handbuch “Mit Freude sanieren. Handbuch zur Umbaukultur” der Bundesstiftung Baukultur stellt gelungene Beispiele für Gebäude vor und zeigt, wie eine neue Umbaukultur entstehen kann.

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    Mit freude sanieren – Handbuch zur Umbaukultur | Herausgeber: Bundesstiftung Baukultur

    Das Institut für neue Industriekultur versteht Orte der Industriekultur als wertvolle, nachhaltige und zukunftsfähige Ressourcen. Es bietet umsetzbare Lösungen zur sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und ökologischen Inwertsetzung industrieller Hinterlassenschaften sowie industriell geprägter Städte und Regionen.

    „Frei_Fläche:Raum für kreative Zwischennutzung“ wird von der Hamburg Kreativ Gesellschaft mit fachlicher Beratung des LIG umgesetzt. Das Programm richtet sich an Kreativschaffende, die auf der Suche sind nach günstigen Räumen und Experimentierflächen. Auch Vermieter*innen, die Leerstand vermeiden und das Quartier ihrer Immobilie beleben möchten, profitieren von der Förderung. Vermieter*in können hier Zuschüsse beantragen, um die Voraussetzung für Zwischennutzungen zu schaffen, z.B. kleine bauliche Maßnahmen, Kosten für die Inbetriebnahme oder Sonderkosten wie Bewachung, Haustechnik etc.

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    Typisch Gruppe: Stuhlkreis und endlos Plenum – Wahrheit oder Klischee? | Foto: Jörg Gläscher

    “Ich hab keine Zeit, mich mit einer Gruppe zu befassen”

    Sie sehen wahrscheinlich sowohl einen zeitlichen Horizont im Sinne der Langfristigkeit und Langwierigkeit des Prozesses und andererseits eine steigende Arbeitslast durch ganz neue Aufgaben auf Sie zukommen. Ohne die Prozesse zu kennen, ist es schwer abzuschätzen, wie Sie diese begegnen können. Klare Absprache mit der Projektgruppe und ein gutes rechtliches Konstrukt sind wichtig. Arbeitspakete, die Ihre eigenen Kompetenzen überschreiten, können Sie an Expert*innen oder sogar die Projektgruppe selbst abgeben. Es ist möglich, diese Pakete als Vergabebedingung festzuhalten.

    „Es geht nicht nur um Augenhöhe, sondern um Kooperation.“

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    Larisa Tsvetkova / Vorstandsmitglied

    Netzwerk Immovielien

    Netzwerke als Unterstützer

    “Ich habe zehn, 15 Jahren gebraucht, um die Leute zu finden. Und deswegen freue ich mich auch, dass wir jetzt auch über deine Initiative vernetzt sind. So, wir. Wir sind nicht alleine. Da sind noch viele anderen. Die sind auf der Suche. Und das ist, was ich genieße."

    Hans van Leeuwen, Eigentümer Kühlhaus Görlitz

    Alle Arbeiten, die vor Ort passieren müssen, wie bspw. Verkehrssicherung oder Unkrautbekämpfung, haben wir der Gruppe wenn man so will auf’s Auge gedrückt – einfach weil sie vor Ort sind und wir nicht. Verglichen mit der Gruppe vor Ort haben wir als Eigentümer deutlich weniger Aufwand.

    Erbengemeinschaft /

    Gut Ziegenberg

    So können Sie Kosten und Aufwand durch gute Kooperationen teilen:

    In Deutschland tätige Stiftungen wie die Stiftung trias und die Terra Libra Immobilien GmbH (deutsche Tochter der Stiftung Edith Maryon) haben Erfahrungen mit der Koordinierung von Akteursgruppen und Immobilienbesitzer*innen. Sollte Ihr Projekt für eine Stiftungsübernahme geeignet sein, bekommen Sie Expertise und ein starkes Netzwerk dazu.

    Werden die Anforderungen durch die Eigentümer*innen klar formuliert, liegt es an den Gruppen, bereits ein gut organisiertes Konzept vorzulegen. In diesem werden die wichtigsten Punkte abgehandelt und Unklarheiten in der Gruppe bzw. Unstimmigkeiten des Konzepts werden sichtbar. Sollte Ihnen auffallen, dass es Korrekturbedarf gibt, lassen Sie die Gruppe dies zunächst intern ausarbeiten. Somit kann eine Menge Aufwand zunächst ausgelagert werden.

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    In Prädikow hat die Gruppe aus einer muffigen Scheune einen schicken Begegnungsort gemacht. | Foto: Adam Naparty

    "Wer weiß, was sie dann daraus machen”

    Manchen Immobilienbesitzer*innen fällt der Verkauf der Immobilie emotional schwer. Vielleicht sind die Gebäude bereits seit Generationen im Familienbesitz gewesen und ihre Vorfahren haben bereits eine Menge Zeit, Geld und Energie in die Gebäude investiert. Wer jedoch nicht selbst vor Ort lebt, investiert eine Menge in die reine Instandhaltung der Gebäude, ohne sie auch tatsächlich selbst zu nutzen und zu erleben. Gerade dann bietet sich die ko-kreative Entwicklung der Gebäude mit einer Gruppe an. Sie können Einfluss auf die spätere Nutzung und Umgestaltung der Immobilie nehmen und gleichzeitig den eigenen Aufwand der Instandhaltung reduzieren.

    Engagement vor Ort überzeugt

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    Erbengemeinschaft /

    Gut Ziegenberg

    So können Sie Mitbestimmung beibehalten:

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Umsetzung eigener Ziele zu sichern – sei es als Stadt, Gemeinde oder Eigentümer*in: Die Werkzeuge "Erbbaurecht" und "Konzeptvergabe" regeln vertraglich einzuhaltende Nutzungsweisen und gemeinsame Ziele. Die "Anhandgabe" ermöglicht den Akteuren einen Testzeitraum um finanzielle und strukturelle Fragen zu klären und gibt den Eigentümern Zeit, die Akteure kennenzulernen und die das anvisierte Konzept auf seine Tauglichkeit für den Ort zu überprüfen. Mehr Details zu Chancen und Anwendung der Werkzeuge finden Sie auf der Themenseite.

    In einem Letter of Intent können Sie als Privatbesitzer*in (auch ohne eine Konzeptvergabe) eine Art Kriterienkatalog aufstellen. Er ist ein informelles Instrument und hat keine rechtliche Gültigkeit. Dennoch kann er helfen, um zunächst mit der Gruppe in einen konkreten Aushandlungsprozess zu kommen und auch später als Leitlinie für Entscheidungen zu wirken.

    Die Erbengemeinschaft des Gut Ziegenbergs hat den Hof von den Eltern übernommen und kennt die lange Entwicklungsgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen. Bevor der Kontakt zur Gruppe zustande kam, standen die Gebäude einige Jahre leer. Während die Eigentümer selbst nicht vor Ort sein konnten, kümmert sich die Gruppe heute darum, den Hof wieder stark mit dem Ort und seinen Bewohner*innen zu verbinden. Ein Staffelpachtvertrag mit geteilter Grundsicherung und klare Absprachen über Kommunikations- und Informationsfluss sichert sowohl dem Verein, als auch den Eigentümern Vertrauen in den Partner und Handhabe über die Ausgestaltung.

    “Am Ende springt mir die Gruppe plötzlich ab und ich bin ruiniert.”

    Sind viele beteiligt, besteht immer die Möglichkeit für Uneinigkeiten und Konfliktsituationen. Als Eigentümer*in müssen Sie aber nicht das volle Risiko für das Gelingen des Projektes tragen. Eine Absicherung für beide Seiten zu finden, ist wichtig. Generell gilt, die eigenen Ressourcen und Grenzen zu kennen und zu wissen, wann Sie die Notbremse ziehen müssen. Was aber oft als gegenseitige Abhängigkeit beschrieben wird, kann genauso auch als gegenseitige Absicherung empfunden werden. Finden Sie einen Weg, sich gegenseitig Vertrauen entgegen zu bringen und gleichzeitig beide auch Verantwortung im Falle des Scheiterns zu tragen. Eine Anhandgabe oder ein befristeter Pachtvertrag können als rechtlicher Rahmen ein Kennenlernen und Einschätzen ermöglichen, während die weitere Bedingungen der Zusammenarbeit entwickelt werden.

    Die rosarote Brille brauche ich, um anzufangen. Aber bei allen Verträgen, die ich abschließe, muss ich auch im Hinterkopf haben, wie ich damit umgehe, wenn etwas schiefgeht - und wie wir alle dann heil und fair wieder da raus kommen.

    Erbengemeinschaft /

    Gut Ziegenberg

    Es gibt Wege, sich gegenseitig abzusichern

    Über einen längeren Zeitraum kann über eine Anhandgabe erprobt werden, wir Sie als Eigentümer*in/ Kommune mit einer Gruppe zusammenarbeiten können. Erst nach erfolgreicher Anhandgabe steht die endgültige Entscheidung für den Verkauf oder eine Verpachtung an.

    In einem Pachtvertrag können, flexibler als bspw. in einem Mietvertrag, Bedingungen zur Finanzierung, zur Kommunikation oder zur inhaltlichen Ausgestaltung gesetzt werden.

    Betreibermodell

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    Erbengemeinschaft /

    Gut Ziegenberg

    “Und dann bin ich Schuld, wenn sich die Gruppe hier nicht richtig integriert.”

    Die Gefahr der Gentrifizierung ist auch Sie als Eigentümer*innen ein Thema. Oft bringen Impulsprojekte heute eine starke mediale Präsenz mit in den Ort und ziehen die lokale, aber auch überregionale Aufmerksamkeit auf sich. Für einzelne Figuren oder die gesamte Kommune hat das viele Vorteile. Es empfiehlt sich, darauf zu achten, dass auch lokal ansässige Vereine und Initiativen dabei nicht zu kurz kommen. Fragen Sie bei der Gruppe daher frühzeitig konkrete Ansätze zur Beteiligung der Bevölkerung ab. Ihr Spielraum reicht soweit, dass Sie die Integration in den Ort und die Beteiligung als Vergabekriterien festsetzen können.